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Kein Zeugnis? Wie die Berufsanerkennung trotzdem klappt: Projektvorstellung „Netzwerk Qualifikationsanalyse (NetQA)“

Foto: Goodluz/Fotolia

​Im Kern besteht das Anerkennungsverfahren aus der Prüfung der eingereichten Dokumente und dem Vergleich von Ausbildungsinhalten und -dauer mit denen eines deutschen Referenzberufs. Voraussetzung dafür ist, dass die im Ausland erworbene Qualifikation durch entsprechende Dokumente nachgewiesen werden kann. Was passiert jedoch, wenn Unterlagen unverschuldet nicht oder nur unvollständig eingereicht werden können? Wird der Antrag auf Anerkennung dann abgelehnt oder kann er vielleicht gar nicht erst gestellt werden? An dieser Stelle setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Netzwerk Qualifikationsanalysen (NetQA)" an, welches Projektmitarbeiterin Stefanie Gloede in diesem Gastbeitrag vorstellt.

In solch einem Fall von fehlenden oder nicht vollständigen Dokumenten sieht das Anerkennungsgesetz vor, dass Antragstellende ihre Qualifikation mithilfe eines sonstigen geeigneten Verfahrens (BQFG §14: Sonstige Verfahren zur Feststellung der Gleichwertigkeit bei fehlenden Nachweisen) nachweisen können. Die Handwerkskammern haben gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern ein solches Verfahren entwickelt – die Qualifikationsanalyse (QA). Stellt die zuständige Stelle bei der Bearbeitung des Antrags auf Anerkennung beispielsweise fest, dass Dokumente fehlen bzw. unverschuldet nicht eingereicht werden können, kann sie als alternative Nachweismöglichkeit eine Qualifikationsanalyse anbieten. Wird dieses Angebot angenommen, beauftragt die zuständige Stelle eine Berufsexpertin bzw. einen Berufsexperten mit der Durchführung. Ziel der Qualifikationsanalyse ist es, berufliche Kompetenzen handlungsorientiert festzustellen. Dafür können beispielsweise Arbeitsproben, Fachgespräche oder Probearbeit im Betrieb eingesetzt werden. Die dabei gezeigten Kompetenzen werden durch die Fachexpertinnen und Fachexperten aus dem jeweiligen Referenzberuf beurteilt. Diese sind zwar flexibel in der Wahl der eingesetzten Instrumente und Aufgaben, jedoch wurde ein Rahmen definiert, der eine gewisse Einheitlichkeit in der Durchführung gewährleisten soll. Es ist daher wichtig, dass die an der Durchführung einer QA beteiligten Beratenden und Fachexpertinnen und Fachexperten mit diesen Vorgaben vertraut sind. Zur Unterstützung dieser beiden Zielgruppen wurde das Projekt „Netzwerk Qualifikationsanalysen (NetQA)" ins Leben gerufen.

Ziel des Projektes NetQA ist es, die Beratenden in den zuständigen Stellen miteinander zu vernetzen, um den Austausch von Expertise und Erfahrungen in der Durchführung von Qualifikationsanalysen zu fördern. Zu diesem Zweck bietet das Projekt eine Reihe an Unterstützungsangeboten:

  • Starthilfe bei der Organisation von Qualifikationsanalysen
    Die Verbundprojektpartner stellen anderen zuständigen Stellen ihre Expertise und Erfahrung zur Verfügung und begleiten diese bei der Durchführung der ersten Qualifikationsanalysen.
  • Schulungen für Anerkennungsberatende sowie Fachexpertinnen und Fachexperten
    In Ein-Tages-Schulungen lernen Anerkennungsberatende und Berufsexpertinnen und Berufsexperten, worauf es bei der Vorbereitung und Durchführung von Qualifikationsanalysen ankommt. Ergänzt werden diese Präsenzseminare durch Webinare und digitale Lerninhalte zur Vertiefung bzw. Auffrischung des Gelernten.
  • Förderung des Netzwerks von zuständigen Stellen zum Thema QA
    Die Expertise und Erfahrungen der Projektpartner bei der Durchführung von Qualifikationsanalysen werden über das bundesweite Netzwerk und in regionalen Arbeitskreisen in die Transferregionen getragen. Das bisher hauptsächlich im IHK- und HWK-Bereich durchgeführte Verfahren soll durch das Netzwerk auch auf andere zuständige Stellen (z. B. im landwirtschaftlichen Bereich) transferiert werden.
  • Arbeitshilfen und Handreichungen
    Der Expertise- und Wissenspool ist für Mitarbeitende in den zuständigen Stellen zugänglich und bietet Informationen zur Durchführung von Qualifikationsanalysen, Handreichungen für Anerkennungsberatende und Fachexpertinnen und Fachexperten, aber auch Vorlagen und benötigte Formulare. Ergänzt wird dieser Bereich Wissensmanagement durch Broschüren, Praxisbeispiele und FAQs.
  • Finanzielle Förderung
    Die Durchführung von Qualifikationsanalysen ist aufwendiger als das normale Anerkennungsverfahren mit reiner Dokumentenprüfung und verursacht damit meist höhere Kosten. Eine konkrete Aussage hinsichtlich der Höhe der Kosten lässt sich an dieser Stelle nicht treffen, da sich diese nach einer Reihe von Faktoren richten und deshalb, je nach Fall und Aufwand, sehr unterschiedlich ausfallen können. Für Antragstellende, die an einer Qualifikationsanalyse teilnehmen möchten, diese aber nicht finanzieren können (z. B. über die Arbeitsagentur oder aus eigenen Mitteln) wurde der Sonderfonds „Qualifikationsanalysen" eingerichtet. Er dient der nachrangigen Finanzierung von Qualifikationsanalysen für Antragstellende.

Mit seiner Arbeit leistet das Projekt NetQA demnach einen wichtigen Beitrag dazu, dass Anerkennungsverfahren trotz eventuell fehlender oder unvollständiger Dokumente zu einem Ergebnis gebracht werden können. So wird sichergestellt, dass weitere wertvolle Fachkräfte Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. Das Projekt hilft daher auf dreierlei Weise: Antragstellende bekommen die notwendige finanzielle Unterstützung, die zuständigen Stellen das nötige Werkzeug und Know-How und die Betriebe schließlich die Fachkraft, nach der sie gesucht haben und die sie nun optimal einsetzen können. 

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