Pedro Gomes

Die Berufliche Anerkennung hat viele Facetten. Als Pedro Gomes vor mehr als vier Jahren Portugal verließ, hätte er sicherlich nicht im Traum daran gedacht, mit seinem portugiesischen Berufsabschluss einmal für einen der größten und bekanntesten Fußballvereine in Deutschland tätig zu sein. Doch genau hier, bei Borussia Mönchengladbach, fängt der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik Mitte 2015 an, seine persönliche Erfolgsgeschichte zu schreiben. UBAHWK war vor Ort und hat mit ihm und seinem Vorgesetzten, Herrn Benjamin Muckel, über seine Geschichte gesprochen.

Von Portugal an den Niederrhein

In Portugal hat Herr Gomes eine Ausbildung als Elektroniker absolviert und dort auch eine Zeit lang den Familienbetrieb mit seiner Arbeitskraft unterstützt. Nachdem dieser geschlossen werden musste und die wirtschaftliche Lage in Portugal ihm keine guten Optionen bot, entschloss sich Herr Gomes nach Deutschland zu gehen, wo sein Vater bereits lebte.
Bei seiner Ankunft im April 2015 war für ihn klar: Wer in Deutschland Fuß fassen möchte, muss die Sprache beherrschen. So startete er schon drei Wochen später mit einem Deutschkurs und meldete sich beim Jobcenter. Hier vermittelte man Herrn Gomes an eine Leiharbeitsfirma, für die er zunächst als Reinigungskraft im Stadion des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach tätig wurde.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Das Team der Betriebs- und Veranstaltungstechnik unter Abteilungsleiter Benjamin Muckel bestand zu diesem Zeitpunkt nur aus drei Mitarbeitenden. Da jedoch die Sanierung der kompletten WC-Anlage im Borussia-Park anstand, erkundigte man sich bei der Leiharbeitsfirma nach einem zusätzlichen Elektroniker – und diese vermittelte Herrn Gomes. Ab sofort unterstützte er das Team mit Helfertätigkeiten und fühlte sich aufgrund der wertschätzenden Atmosphäre direkt sehr wohl. Auch anfängliche Schwierigkeiten hinsichtlich Fachsprache und -begriffe wurden durch die offenen, hilfsbereiten Kollegen aufgefangen: „Ich konnte immer nachfragen, selbst bei vielleicht ‚dummen Fragen' – die Kollegen haben immer geholfen".
Schließlich, sagt Herr Muckel, kam man von Vereinsseite an den Punkt, an dem es „Quatsch" erschien, Herrn Gomes nur zum Lampenwechseln einzusetzen: „Ich wollte ihn ganz haben. Damit konnten wir ihm, aber auch uns selbst sicherlich den größeren Gefallen erweisen". Was mit der Entscheidung, Herrn Gomes als Fachkraft einzustellen, jedoch auch feststand: Sein Abschluss muss von offizieller Stelle anerkannt werden, damit die künftigen Einsatzmöglichkeiten klar sind und ihm das entsprechende Gehalt gezahlt werden kann. Das Verfahren an sich und die Einzelheiten der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch unbekannt.

Mit Entschlossenheit zum Ziel

Von der Möglichkeit der Berufsanerkennung erfuhr Herr Gomes selbst durch einen Zufallskontakt in seinem privaten Umfeld. Fortan kümmerte er sich eigenständig um die Anerkennung seiner portugiesischen Berufsqualifikation – nicht zuletzt mit umfangreicher Unterstützung durch den Verein: „Egal, ob ich während der Arbeitszeit in meiner Verfahrenssache telefonieren musste oder es um Kostenübernahme für Übersetzungen und Beglaubigungen ging – der Verein war immer extrem offen, hilfsbereit und hat mich super unterstützt," so Pedro Gomes rückblickend, „das hat mir ein gutes Gefühl gegeben".
Als Knackpunkt stellte sich schließlich der portugiesische Ausbildungsrahmenplan heraus, welchen Herr Gomes auf Anfrage der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf hin vorlegen musste. Diesen zu beschaffen, erwies sich als träger Prozess, doch am Ende wurde Herrn Gomesʼ Entschlossenheit belohnt: Nach der Überprüfung der vollständigen Unterlagen durch die HWK kristallisierte sich heraus, dass ihm nur wenige Inhalte fehlten, um sich die volle Gleichwertigkeit anerkennen zu lassen. Diese konnten mit zwei überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLUs) à zwei Wochen an der HWK in Düsseldorf nachgeholt werden.

Eine Win-win-Situation

Insgesamt dauerte es neun Monate bis Herr Gomes den Bescheid über die volle Gleichwertigkeit erhielt. Sowohl er als auch sein Vorgesetzter Benjamin Muckel waren zunächst überrascht, wie viel Aufwand notwendig ist, um einen ausländischen Berufsabschluss anerkennen zu lassen; sie waren davon ausgegangen, dass der in Portugal erworbene Abschluss ein EU-Zertifikat und damit EU-weit gültig sei.
Der erfolgreiche Ausgang des Verfahrens ist am Ende vor allem eine Team-Leistung: Der Verein hat die Grundvoraussetzungen geschaffen, das Team der Betriebs- und Veranstaltungstechnik hat eine Atmosphäre erzeugt, in der sich der neue Mitarbeiter willkommen fühlt, die HWK hat bei dem formalen Verfahren unterstützt und Herr Gomes hat das Ganze durch seine Entschlossenheit und Eigeninitiative getragen. Am Ende ist für Teamleiter Muckel klar, dass sie den Weg immer wieder so beschreiten würden. Schließlich gibt es seiner Ansicht nach keinen einzigen Grund, der gegen die Berufsanerkennung spricht – im Gegenteil: „Herr Gomes passt super ins Team, die Jungs sind glücklich mit ihm, ich bin glücklich mit ihm und alles passt!"