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3 FRAGEN zur Fachkräftesituation im Bäckerhandwerk

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Mit 11.347 Meisterbetrieben, einem gestiegenen Gesamtumsatz von 14,48 Mrd. Euro und 273.700 Mitarbeitern zählt das deutsche Bäckerhandwerk zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Deutschlands. Doch auch das Bäckerhandwerk spürt den Fachkräftemangel. Die Ausbildungszahlen sind seit mehreren Jahren rückläufig, freie Stellen können nicht besetzt werden und die Nachfolge in einigen Betrieben ist nicht gesichert.

In unserem Interview beantwortet Dr. Friedmann Berg, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., die Frage mit welchen Maßnahmen die Branche Engpässen entgegenwirkt und welche Rolle die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dabei im Bäckerhandwerk spielt.


Herr Dr. Berg, wie sieht die Fachkräftesituation in Ihrer Branche aus? 

Im Bäckerhandwerk gibt es, wie in vielen anderen Branchen auch, einen zunehmenden Fachkräftemangel. Viele Betriebe des Bäckerhandwerks haben zunehmend Mühe, Arbeits- und Ausbildungsplätze nachzubesetzen. In der Fachpresse wurde bereits (vereinzelt) über Betriebe berichtet, die wegen Personalmangels Öffnungszeiten von Filialen reduzieren, ganze Filialen schließen oder gar den Betrieb einstellen mussten.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zu nennen sind hier u.a. die allgemeine demographische Entwicklung und staatliche Fehler in der Bildungspolitik. Die Bildungspolitik der letzten Jahre, die das Abitur und ein anschließendes Studium als optimalen Ausbildungswerdegang präferiert hat, hat stark dazu beigetragen, dass das Handwerk bei den Jugendlichen, wenn überhaupt, nur als zweite Option wahrgenommen wird. Diese zunehmende Akademisierung stellt das Bäckerhandwerk vor große Herausforderungen. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) blieben zum 30.09.2016 insgesamt 800 Ausbildungsplätze für den Beruf Bäcker/in unbesetzt. Der Anteil unbesetzter Plätze am betrieblichen Angebot lag somit bei 24 %. Bei den Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk sind es sogar 32,7 % der angebotenen Stellen, die unbesetzt blieben. Die Ausbildungszahlen im Bäckerhandwerk haben sich in den letzten 10 Jahren von 36.871 im Jahr 2007 auf 17.874 im Jahr 2016 halbiert.

Welche Pfade der Fachkräftesicherung empfehlen Sie den Unternehmen Ihrer Branche und warum?

Wir empfehlen den Unternehmen, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, das Augenmerk auf eine gute Unternehmens- und Menschenführung zu legen und den Mitarbeiter/innen Perspektiven zu bieten. Das kann – je nach Einzelfall - Qualifizierungen oder Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf einschließen. Viele Betriebe des Bäckerhandwerks sind offen für die Beschäftigung von Flüchtlingen, haben in diesem Bereich große Anstrengungen unternommen, bilden geflüchtete Menschen aus oder beschäftigen sie. Die bisherigen Erfahrungen der Unternehmen in diesem Bereich zeigen allerdings, dass der Zuzug von Flüchtlingen das Problem des Fachkräftemangels nicht in Gänze lösen können wird.

Worin liegen Ihres Erachtens die betrieblichen Chancen der beruflichen Anerkennung?

Berufliche Anerkennung bedeutet die Bewertung und – bei positiver Entscheidung – die Bestätigung der Gleichwertigkeit eines ausländischen Berufsabschlusses mit einem deutschen Abschluss. In einem gesetzlich geregelten Verfahren wird geprüft, ob eine im Ausland durchgeführte Ausbildung mit einer vergleichbaren deutschen Ausbildung gleichwertig ist und ob eine berufliche Anerkennung ausgesprochen werden kann. Die berufliche Anerkennung kann damit helfen, das Problem des Fachkräftemangels zu lindern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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